Ausgabe 2 2015

Vorwort Alles nur geklaut
Ein Vorwort von
Michael Weinreich

Ideen sind häufig schon da, sie werden lediglich angepasst, transformiert, neu zusammengesetzt. Marken müssen sich jedoch individuell positionieren. Was heißt das für Unternehmen?

Ideen sind häufig schon da, sie werden lediglich angepasst, transformiert, neu zusammengesetzt. Marken müssen sich jedoch individuell positionieren. Was heißt das für Unternehmen?

Vom amerikanischen Regisseur Billy Wilder wird erzählt, dass er eines Nachts einen Gedankenblitz hatte: eine geniale Idee für die Anfangsszene in seinem nächsten Film. Um sie bis zum Morgen nicht zu vergessen, griff er zu Block und Stift und schrieb sie auf. Am nächsten Tag las er, was er notiert hatte: „Boy meets girl“. Junger Mann trifft junge Frau. Wie es weitergeht, können Sie sich denken. Und trotzdem – die Formel funktioniert, immer wieder. Wir mögen Remixe. Originalität ist uns, streng genommen, eigentlich nicht so wichtig. Sie müssen sich nur die Listen der erfolgreichsten Filme, Bücher oder Songs ansehen – und Sie werden sehen: War alles schon einmal da. „Titanic“, einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten, hat letztlich Shakespeares „Romeo und Julia“ variiert, die Beach Boys haben sich für ihren Song „Surfin’ USA“ bei Chuck Berrys „Sweet Little Sixteen“ bedient, und übrigens auch Shakespeare selbst soll für seine Werke kräftig bei Kollegen abgekupfert haben.


Ideen für Marken und Produkte sind häufig schon da, sie werden lediglich angepasst, transformiert und neu zusammengesetzt. Marken müssen sich jedoch individuell positionieren, um als einzigartig wahrgenommen zu werden – eine Herausforderung. Was heißt das nun für Unternehmen? Zunächst: Ruhig bleiben. Das Rad muss niemand neu erfinden. Doch mit dem Rad sollte gearbeitet werden, es muss sich weiterdrehen. Anders gesagt: Die Grundzutaten sind da – nun geht es darum, aus ihnen etwas Neues zu erschaffen. Was es dafür braucht? Offenheit für neue Einflüsse sowie die Bereitschaft, Inspirationen aufzunehmen und in Arbeiten und Produkte einfließen zu lassen. Denn wieso sollte eine tolle Idee in der Schublade bleiben, nur weil sie bereits ein anderer gehabt hat? Halten Sie es lieber wie Picasso: „Gute Künstler kopieren, große Künstler stehlen“. So kann auch aus einer schon existierenden Idee etwas Großartiges entstehen – nur eben mit dem gewissen Extra, und zwar Ihren eigenen, kreativen Impulsen.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen der pay!

Michael Weinreich
CEO arvato Financial Solutions

Fotos: Iris Rothe