Ausgabe 1 2015

Reputation In Ungnade gefallen
Reputationsverlust

Lance Armstrong, Charlie Sheen, Dominique Strauss-Kahn und Justine Sacco: Sie waren erfolgreich, sie waren Helden, sie haben alles riskiert und viel verloren.

Lance Armstrong, Charlie Sheen, Dominique Strauss-Kahn und Justine Sacco: Sie waren erfolgreich, sie waren Helden, sie haben alles riskiert und viel verloren.

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht

Er war einer der beliebtesten Radrennfahrer der Welt. Er gewann 1993 die Weltmeisterschaft und von 1999 bis 2005 sieben Mal die Tour de France. Sein vielleicht größter Sieg war der gegen seine Krebserkrankung 1996/1997. Seit 1999 ist der Ruf von Lance Armstrong allerdings beschädigt. Zuerst waren es Dopingvorwürfe, dann kam das Dopinggeständnis. 2012 sprach die amerika­nische Anti-Doping-Agentur gegen Armstrong ein lebenslanges Radsportverbot aus und erkannte ihm rückwirkend alle Titel seit 1998 ab.
Nachdem er die Vorwürfe jahrelang bestritten hatte, räumte er 2013 bei ­Oprah Winfrey ein, regelmäßig gedopt zu haben. Die Konsequenzen begleiten ihn bis heute. Armstrong muss sich jetzt gegen eine Klage im Rahmen des False Claims Act wehren, einem Gesetz gegen Betrug zulasten der öffentlichen Hand. Dass der Radsportler staatliche Sponsorengelder angenommen und gleichzeitig nicht zugelassene leistungssteigernde Mittel genommen habe, sei Betrug, so der Vorwurf der Anklage.

Danke! Cut! Aus!

Er war einer der bestbezahlten Schauspieler der Welt und verdiente bei der Sitcom „Two and a Half Men“ 1,2 Millionen US-Dollar pro Folge. Bis er 2011 nach Drogenproblemen rausgeworfen wurde. Danach drehte Charlie Sheen öffentlich durch. Unter anderem faselte er davon, Tigerblut zu haben. Über die Jahre hatte Sheen eine Reihe von Beziehungen mit Pornodarstellerinnen, ihm wurde wiederholt häusliche Gewalt vorgeworfen, und er verlor das Sorgerecht für seine Kinder. Seit 2012 spielt er eine Hauptrolle in der Sitcom „Anger Management“, bei der er nur bescheidene 100.000 US-Dollar pro Folge verdient. 2014 wurde die 100. Folge abgedreht, das heißt, in den kommenden Jahren wird er über die Wiederausstrahlungsrechte noch einiges mehr verdienen.

Weiterführende Informationen

Charlie Sheen auf facebook:
facebook.com

Ist Charlie Sheen ein Public-Relations-Desaster oder ein Meister des Reputation Management?
epoch5.com

Charlie Sheen, der böse Bube Hollywoods:
independent.co.uk

Na, na, Monsieur DSK

Er galt als globales Alphatier. Er war Chef des Internationalen Währungsfonds und angehender Präsidentschaftskandidat in Frankreich. Dann warf im Mai 2011 ein Zimmermädchen eines New Yorker Hotels Dominique Strauss-Kahn sexuelle Übergriffe vor. Mit einem Schlag war alles vorbei. Die Staatsanwaltschaft ließ die Anklage zwar später fallen, aber parallel meldeten sich weitere angebliche Opfer. Anklage wurde zwar nie erhoben, die Vorwürfe trugen aber nicht gerade dazu bei, Strauss-Kahns guten Ruf wiederherzustellen. Heute reist Dominique Strauss-Kahn als Finanzberater durch die Welt und nimmt mit, was er kann – von Gastauftritten im Südsudan bis hin zu einem Aufsichtsratsmandat bei einer russischen Bank. Der Sexskandal verfolgt ihn aber weiterhin. Im Februar 2015 musste er sich vor Gericht gegen den Vorwurf der „schweren Zuhälterei“ in Lille, Frankreich, wehren. Das Urteil wird im Juni erwartet.

Verzwitschert

„Unterwegs nach Afrika. Hoffentlich kriege ich kein AIDS. Kleiner Scherz. Ich bin ja Weiße“, twitterte sie vor ihrem Abflug. Als Justine Sacco, Kommunikationschefin des New Yorker Internetunternehmens InterActiveCorp, in Südafrika landete, war sie bereits arbeitslos und heiß diskutiertes Thema des Hashtags #hasjustinelandedyet. Natürlich hat Sacco ihr Twitter-Konto sofort gelöscht, sich öffentlich entschuldigt, eine ehrenamtliche Tätigkeit in Äthiopien begonnen und darauf gewartet, dass Gras über die Sache wächst.
Allerdings: Das ist nicht passiert. Saccos Karriere ist nicht vorbei. Sie ist jetzt für das Marketing der App Hot or Not verantwortlich, eine Weiterentwicklung der gleichnamigen Website, auf der die Nutzer das Aussehen anderer bewerten.

Foto: Joe Pugliese