Ausgabe 03 2016

Datenflut Ein Tag im Zeichen der Sünde

​Halten Sie sich für einen guten und moralischen Menschen? Viele von uns würden diese Frage mit Ja beantworten, ohne an die vielen kleinen Sünden des Alltags zu denken.

Halten Sie sich für einen guten und moralischen Menschen? Viele von uns würden diese Frage mit Ja beantworten, ohne an die vielen kleinen Sünden des Alltags zu denken.

„Oh, entschuldigen Sie bitte, ich habe Sie gar nicht gesehen.“

Es ist früh am Morgen, und Sie hatten noch nicht einmal Zeit für Ihre Tasse Kaffee. Sie sind auf dem Weg zur Arbeit und sehen Ihren Nachbarn auf der Straße. Weil Sie absolut nicht in der Stimmung für einen Small Talk sind, holen Sie schnell Ihr Handy heraus und tun so, als seien Sie ganz vertieft in ein wichtiges Gespräch. Später behaupten Sie, den Nachbarn gar nicht gesehen zu haben.

„Ich war nicht länger als eine Stunde weg …“

Sie sind mit einer Freundin zum Mittagessen beim Italiener verabredet. Weil Sie einen Bärenhunger haben, bestellen Sie eine Vorspeise und einen Hauptgang, obwohl Sie wissen, dass Sie eigentlich nur eine Stunde Mittagspause haben. Ohne auf die Zeit zu achten, genießen Sie das Essen und plaudern in aller Ruhe. Als Sie zahlen und zurück ins Büro gehen wollen, sind eineinhalb Stunden vergangen. Aber niemand hat bemerkt, dass Sie eine halbe Stunde überzogen haben – und das muss auch niemand erfahren.

„Ja! Ein Geschenk an mich selbst.“

Am Nachmittag brauchen Sie einen Kaffee, um die letzten Stunden des Arbeitstages zu überstehen. Ein verlockender Brownie sticht Ihnen ins Auge, den Sie gleich noch zu Ihrem Kaffee dazubestellen. Beim Bezahlen bemerken Sie, dass der Verkäufer den Brownie nicht abgerechnet hat. Sie lassen sich nichts anmerken, verlassen ruhig das Café und freuen sich diebisch über die geschenkte Süßigkeit.

„Geh mir aus dem Weg!“

Nach einem langen Arbeitstag wollen Sie nur noch nach Hause und sich entspannen. Doch der Fahrer vor Ihnen blockiert im Schneckentempo die Überholspur. Bei dieser Geschwindigkeit brauchen Sie bis morgen früh, bis Sie zu Hause sein werden! Nach kurzem Überlegen beschließen Sie, dass Sie es nicht mehr aushalten und keine andere Wahl haben, als rechts zu überholen. Es gibt keine Kameras, niemand wurde verletzt, also: Wen kümmert’s?!

„Ich kann nicht weggehen, ich *hust* bin krank.“

Eigentlich hatten Sie sich mit einem Kumpel verabredet, aber Sie sind gerade nach Hause gekommen, haben sich bequeme Klamotten angezogen und wollen auf dem Sofa Ihre Lieblingsserie schauen. Noch mal rauszugehen, kommt gar nicht infrage, aber Sie brauchen eine glaubwürdige Ausrede. Also sagen Sie, Ihnen gehe es nicht gut. „Es war ein stressiger Tag im Büro, und ich habe üble Kopfschmerzen.“ Ist ja nur eine kleine Notlüge; der Kumpel wird darüber hinwegkommen.

Illustrationen: Florian Sänger