Ausgabe 2 2015

​Remix in der Kunst

Zur Sau gemacht

Der berühmte amerikanische Künstler Jeff Koons muss sich gegen eine Klage des französischen Werbers Franck Davidovici wehren, der behauptet, Koons habe seine Idee aus der Naf-Naf-Modekampagne von 1985 gestohlen und für die Skulptur „Fait d’hiver“ aus dem Jahr 1988 verwendet. Die Skulptur heißt nicht nur wie die Kampagne, sondern gleicht ihr auch optisch: In beiden Fällen wird eine junge Frau gezeigt, die im Schnee liegt und auf die ein Schwein mit einem Fass Rum um den Hals zugelaufen kommt.

Der Streit hat dazu geführt, dass das Centre Pompidou in Paris die Skulptur, die zur „Banality Series“ von Koons gehört, 2014 aus der Ausstellung nahm, und inzwischen läuft ein gerichtliches Verfahren. Es ist nicht das erste Mal, dass Koons sich einem Plagiatsprozess stellen muss. Im Zusammenhang mit seiner „Banality Series“ hat er bereits zwei Rechtsstreitigkeiten wegen Urheberrechtsverletzungen verloren.

Mein Buch, dein Buch

Als Helene Hegemann 2010 ihren Erstling „Axolotl Roadkill“ veröffentlichte, war sie 17. Der in einer sehr deutlichen Sprache geschriebene Entwicklungsroman schnellte an die Spitze der Bestsellerlisten in Deutschland und wurde von den Kritikern gefeiert. Auf Hegemanns kometenhaften Aufstieg folgte jedoch ein noch spektakulärerer Fall, nachdem sich herausgestellt hatte, dass die Autorin Teile ihres Buchs von anderen abgeschrieben hatte, unter anderem aus dem Roman „Strobo“ des Bloggers Airen. Dies löste in Medien- und Literaturkreisen eine intensive Debatte über die Urheberschaft aus.

Der Ullstein Buchverlag, in dem das Buch erschienen ist, löste das Problem schließlich, indem er nachträglich Abdruckrechte erwarb. Hegemann bleibt indes bei ihrer Einstellung: „Originalität gibt es nicht, nur Authentizität.“ 2013 veröffentlichte sie ihren zweiten Roman „Jage zwei Tiger“, diesmal ohne Plagiatsskandal.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Das „Hope“-Plakat des Street-Art-Künstlers Frank Shepard Fairey wurde im 2008er-Präsidentschaftswahlkampf in den USA zum inoffiziellen Symbol für Obamas Kampagne. 2009 stand es dann allerdings im Mittelpunkt eines Rechtsstreits. Die Presseagentur AP warf Fairey eine Urheberrechtsverletzung vor, denn das Plakat basiere auf einem AP-Foto von Marnie Garcia. Fairey reichte eine Gegenklage ein, mit der Begründung, sein Plakat falle unter die sogenannte Fair-Use-Klausel, die eine Ausnahme vom Urheberrechtsschutz gewährt, wenn die Verwendung eines eigentlich geschützten Materials als „transformativ“ eingestuft werden kann.

Die Parteien einigten sich Anfang 2011 außergerichtlich und vereinbarten Geheimhaltung über den finanziellen Vergleich. 2012 wurde Fairey zu 25.000 US-Dollar Strafe und 300 Stunden gemeinnützige Arbeit verurteilt, weil er im Laufe des Prozesses Beweise zerstört oder gefälscht haben soll.

Fließende Grenzen

Der Nummer-eins-Hit „Blurred Lines“ ist eine Fälschung – zu diesem Urteil ist im März 2015 zumindest ein Gericht in Los Angeles gelangt. Die Kinder von Marvin Gaye sagten, der Produzent und Musiker Pharrell Williams und der Sänger Robin Thicke hätten bei dem 2013er-Song einen Klassiker ihres Vaters aus dem Jahr 1977 kopiert: „Got to give it up“. Williams und Thicke hatten vor dem Prozess bereits versucht, die Familie Gaye mit rechtlichen Mitteln daran zu hindern, eine Klage einzureichen. Das Geschworenengericht entschied letztlich für die Familie Gaye und sprach ihr 7,3 Millionen US-Dollar Schadenersatz zu. Gayes Tochter Nona sagte nach dem Prozess, Pharrells Hit „Happy“ habe Ähnlichkeit mit dem Titel „Ain’t that Peculiar“ ihres Vaters. In diesem Fall strebt die Familie aber angeblich keinen Gerichtsprozess an.

Fotos: Naf Naf; dpa; Emmanuel Dunand/afp; Shepard Fairey