Ausgabe 03 2016

Erfolgsgeschichten sind nicht immer so sauber, wie sie scheinen. Es ist erstaunlich, welche Leichen manch einer im Keller hat. pay deckt dunkle Geheimnisse auf und zeigt, wie sie dem einen oder anderen geholfen haben.

Gib Gas

Einst galt Georgia Durante in den USA als das meistfotografierte „Kodak Girl“, heute ist sie eine der erfolgreichsten Stuntfahrerinnen Hollywoods. Doch ihr Werdegang ist alles andere als gewöhnlich. Nach ihrer Teenagerkarriere als Model in den 1990er-Jahren geriet Durante in die Kreise des organisierten Verbrechens. Sie heiratete einen Mafiaboss und wurde, ohne es zu wollen, zur Fluchtwagenfahrerin. Nach einigen Jahren gelang es ihr, sich aus diesem Verbrecherleben loszureißen. Auf der Flucht vor der Mafia und ihrem Mann, der sie misshandelt hatte, brauchte sie einen Job, der ihr ein Leben im Verborgenen ermöglichte. Sie verwertete ihre Erfahrung und ihr Talent für waghalsiges Autofahren und wurde Stuntfahrerin. Damit hatte sie sofort durchschlagenden Erfolg und baute sich in diesem Geschäft eine erfolgreiche Karriere auf.

Dr. Scharlatan

Leander Tomarkin erfand mit dem „Antimicrobum“ Anfang des 20. Jahrhunderts ein Mittel gegen Lungenentzündung. Das wollte er die Welt zumindest glauben lassen. Der Schweizer Hochstapler verkaufte sich als Erfinder und Arzt und schaffte es, dass er 1923 den Cousin des italienischen Königs behandeln durfte. Dieser wurde wieder gesund, und der Hof ernannte Tomarkin zum Leibarzt der königlichen Familie. Tomarkin behandelte noch zahlreiche weitere Patienten mit unterschiedlichen Krankheiten und gründete später die Tomarkin-Stiftung, die in den USA und in der Schweiz Forschung betreiben sollte. Außerdem veranstaltete er Fachtagungen und Konferenzen, an denen viele etablierte Ärzte und Physiker teilnahmen, darunter auch Albert Einstein, der sich als Ehrenpräsident von Tomarkins Stiftung gewinnen ließ. Doch letztlich gründete alles auf einer Lüge: Tomarkin gab sich als Doktor der Medizin aus, obwohl er in Wahrheit keinerlei akademischen Abschluss hatte.

Alles nur erfunden

Dreistigkeit ist Tom Kummers zweiter Vorname. Ab 1993 arbeitete der Schweizer erfolgreich als Hollywood-Korrespondent für verschiedene deutsche Magazine. Besonders begehrt waren seine Interviews mit den Größen des Showgeschäfts. Er entlockte US-Schauspielern wie Brad Pitt, Sharon Stone und Bruce Willis intimste Geheimnisse. Schon bald ließ man sogar ein Buch mit seinen besten Gesprächen drucken. Sehr lange hielt sich das Werk jedoch nicht auf dem Markt. 2000 kam heraus, dass er nie mit all diesen Stars auch nur in einem Zimmer gewesen war. Seine Interviews waren gefakt. Die darauffolgende Entrüstung versteht der selbst ernannte Borderline-Journalist aber bis jetzt nicht. Und tatsächlich kann auch die Öffentlichkeit nicht ganz ohne Faszination auf Kummer schauen. Bis heute schafft er es immer wieder, mit neuen, nicht minder fragwürdigen Publikationen auf sich aufmerksam zu machen.

Fifty Shades of Abagnale

Frank Abagnale Jr., auf dessen Lebensgeschichte die Hollywood-Gaunerkomödie „Catch Me If You Can“ basiert, ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein unmoralischer Lebenswandel zum Erfolg führen kann. Das erste Opfer, das Abagnale um Geld betrog, war sein Vater. Damals war Abagnale 15. Von da an arbeitete er sich bis zu umfang­reichem Scheckbetrug hoch. Das Ende seiner Gaunerkarriere war dies aber noch lange nicht. Als Hochstapler gab er sich als Pilot, Arzt und Rechtsanwalt aus. Mit 21 wurde er schließlich von der französischen Polizei gefasst. Danach saß er rund fünf Jahre in Gefängnissen in Frankreich, Schweden und in den USA. Die Amerikaner ließen ihn unter der Bedingung frei, dass er der US-Regierung unentgeltlich bei der Aufklärung von Betrugsfällen half. Heute hat er seine unethische Vergangenheit hinter sich gelassen, ist CEO von Abagnale & Associates und arbeitet als Autor, Redner und Berater.

Perfekte Fälschung

Wolfgang Beltracchi ist ein erfolgreicher deutscher Maler, der seine Fähigkeiten schon als Teenager perfektioniert hat. In den darauffolgenden 35 Jahren nutzte er sein Ausnahmetalent, um Hunderte von Werken berühmter Maler zu fälschen, unter anderem von Pablo Picasso und Max Ernst. Renommierte Auktionshäuser weltweit verkauften seine Nachahmungen nichtsahnend und machten Beltracchi und seine Frau zu Millionären. Erst 2011 kam die Wahrheit ans Licht, und das Paar wanderte ins Gefängnis. 2015 wurden die beiden freigelassen, und Beltracchi malt jetzt nur noch unter eigenem Namen. Auch auf diese Weise verdient er Millionen; gut die Hälfte seines Vermögens nutzt er, um Schulden bei den Menschen abzubezahlen, die er in seinem früheren Leben betrogen hat.