Ausgabe 4 2015

Chefsache Manipulation

Lernen Sie Ihr Team kennen, und holen Sie das Beste aus ihm raus! Anhand der vier Charaktere von Mike Prince und Victor Figliuolo zeigt pay, wie das geht

Nicht jedes Team ist von Anfang an dynamisch, ausgeglichen und zielorientiert, sondern es herrscht oft ein großes Durch­einander. pay zeigt, wie man sein Team unschlagbar macht.

Wie in jeder anderen sozialen Situation findet man sich in professionellen Arbeitsgruppen auch schnell in einer besonderen Rolle wieder. So wie jede Klasse einen Clown hat und jede Familie einen Rebellen, hat auch jedes Team seine vorbildlichen, anspruchsvollen und nörgelnden Mitarbeiter, die sich mitunter wie Kinder benehmen. Es dauert bloß eine Weile, bis man als Chef erkannt hat, wo sich seine Pappenheimer am besten einordnen lassen.
Die Managementexperten Victor Prince und Mike Figliuolo schrieben in ihrem Buch „Lead Inside the Box: How Smart Leaders Guide Their Teams to Exceptional Results“ über neue, vielseitige Führungsstrategien. Ein fataler Fehler, der in puncto Teamleitung oft begangen wird, ist es, für alle Mitarbeiter eine einheitliche Führungsstrategie zu verfolgen. Deshalb haben Prince und Figliuolo die vier Grundtypen jedes Teams charakterisiert und Ansätze zu passenden Führungsstrategien herausgearbeitet – auch bekannt als Werkzeuge der Manipulation.

Obwohl die Manipulation einen schlechten Ruf hat, ist sie eine häufig angewandte Methode. Manipulation bedeutet nicht automatisch das Ausnutzen der Mitarbeiter. Die Kunst ist es vielmehr, ihnen das Gefühl zu geben, sie seien von ganz allein auf die Idee gekommen, zu tun, was man von ihnen möchte. Anhand der vier Charaktere von Prince und Figliuolo zeigt sich, wie das geht:

Exemplars

Die „Exemplars“ , also vorbildliche Teammitglieder, auch als Streber bekannt, sind von allen Chefs geliebt und heiß begehrt. Sie sind engagiert, selbstdiszipliniert und zielorientiert, brauchen also wenig Ansporn vom Chef, um auf Trab gehalten zu werden. Die einzig nötige Form von Manipulation ist in diesem Fall das Lob. Aufmunterung und die Aussicht auf weiterführende Arbeit, die sie die Hierarchieleiter aufsteigen lässt, sind des Strebers beste Freunde. Werden diese Bedürfnisse vernachlässigt, suchen sie sich kurz entschlossen das nächstbeste Team. Und da jeder andere Manager sich nach diesen Teammitgliedern die Finger leckt, sollte die Jobsuche kein größeres Hindernis sein.

High Cost Producers

Die „High Cost Producers“ , die anspruchsvollen Typen, besitzen die geforderten Kompetenzen und leisten auch gute Arbeit – wenn sie denn mal arbeiten. Oft lassen sie sich aber von Provokationen anderer Teammitglieder ablenken. Um konzentriert weiterarbeiten zu können, müssen sie die Anwesenheit des Chefs spüren. Man braucht diese Teammitglieder gar nicht erst zu manipulieren, da sie eher eine klassisch-elternhafte Aufsicht brauchen. Lässt man ihnen freien Lauf, entwickeln sie sich zu orientierungslosen Kleinkindern, die am Ende des Tages übermüdet, in Farbe getunkt und mit zerbrochenem Pinsel vor dem sitzen, was zu Anfang ein schönes Bild hätte werden sollen.

Passengers

Die „Passengers“ , die Mitläufer im Team, lassen sich, wie der Name schon andeutet, von den Erfolgen anderer Mitglieder mitziehen. Wenn sich aber ein für sie persönlich interessantes Thema bieten sollte, widmen sie sich nur noch dem einen Projekt. Die „Passengers“ brauchen keine spürbare Aufsicht, sondern nur jemanden, der sie von Ablenkungen fernhält und subtil auf ihre Hauptaufgaben zurücklenkt. Als Chef muss man sich eigentlich am meisten mit diesen Teammitgliedern beschäftigen. Denn auch hier gilt: Nur wer seine Angestellten gut kennt, kann auf ihre Bedürfnisse eingehen und ein passendes Umfeld für sie gestalten. Läuft alles nach Plan, lassen sich die energieschluckenden Parasiten zu loyalen Symbionten manipulieren.

Detractors

Die „Detractors“ , allseits bekannt als Nörgler, sind sowohl in der Aufzählung als auch in der Rangordnung die letzten Kandidaten. Sie sind unterqualifizierte oder einfach nur unmotivierte Teammitglieder. Sie haben einen ähnlich ermüdenden Effekt auf die Teamleistung wie ein schleifender Anker auf ein Segelboot. Das einzige Ziel, das sie mit Sicherheit erreichen werden, ist der Untergang. Sie fordern viel Extraaufsicht und Input vom Chef – also Zeit, die in andere Projekte investiert werden könnte. Auch wenn’s schwerfällt, ist es besser, sich so schnell wie möglich von seinen Nörgelkindern zu trennen. Sie werden quasi für das Allgemeinwohl der anderen geopfert und haben damit zum ersten – und letzten – Mal eine Teamleistung vollbracht. Man merke aber: Die Kunst der Manipulation liegt darin, seine Botschaften sprachlich so schön zu verpacken, dass mit den richtigen Worten selbst die Kündigung wunderbar klingt.

Foto Carles Rodrigo Monzó/Stocksy