Ausgabe 1 2015

Vorwort In die Köpfe
schauen

Ein Vorwort von
Michael Weinreich

Deutschland hat die USA als beliebtestes Land abgelöst. Nicht wenige Deutsche hat das verblüfft: Woher kam die plötzliche Beliebtheit ihres Landes?

Deutschland hat die USA als beliebtestes Land abgelöst. Nicht wenige Deutsche hat das verblüfft: Woher kam die plötzliche Beliebtheit ihres Landes?

Im vergangenen Jahr präsentierte ein großes deutsches Marktforschungsinstitut ein überraschendes Umfrageergebnis: Deutschland (und nicht wie sonst immer die USA) war in einer internationalen Umfrage zum beliebtesten Land der Welt gewählt worden. Investitionsklima, soziale Gleichheit, eine ehrliche und kompetente Regierung – alles positive Aspekte, die von den mehr als 20.000 Befragten in 20 Ländern besonders Deutschland zugeschrieben wurden.

Nicht wenige Deutsche hat das verblüfft: Woher kam die plötzliche Beliebtheit ihres Landes? Schließlich war man es gewöhnt, mit Pünktlichkeit und Ordnung in Verbindung gebracht zu werden, mit Effizienz und Humorlosigkeit. So viel Zuneigung waren die Deutschen eigentlich nicht gewohnt.

Sicher hatte der Gewinn der Fußball-WM einen großen Anteil am Umfrageergebnis. Aber auch die starke Wirtschaft, die Führungsrolle in Europa und wahrgenommene politische Verantwortung sind Gründe für die gute Reputation Deutschlands in der Welt. Dennoch: Selbst- und Fremdwahrnehmung der Deutschen weichen offensichtlich auffallend voneinander ab.

So überraschend ist das allerdings nicht, denn es ist gar nicht so einfach, in die Köpfe anderer Leute zu schauen. In der Betriebswirtschaft gilt Reputation als ein sogenannter weicher Faktor. Das ist nichts anderes als eine nette Umschreibung für „nicht zu greifen und nur schwer messbar“. Was andere wirklich über einen denken, lässt sich zwar herausfinden – erfordert aber fortgeschrittene Kenntnisse in Psychologie und Statistik.

Trotzdem ist es sinnvoll, sich mit der eigenen Außenwahrnehmung zu beschäftigen. Ganz besonders gilt das für Führungskräfte – denn sie sind Vorbilder und müssen ihre Mitarbeiter jeden Tag aufs Neue motivieren und überzeugen. Dazu müssen sie sich selbst gut kennen und zudem ihre Wirkung auf andere Menschen richtig einschätzen können. Je besser Ihnen das gelingt, umso erfolgreicher sind sie auch. Reputation mag also ein weicher Faktor sein, ein wichtiger ist sie auf jeden Fall.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen der pay!

Michael Weinreich
CEO arvato Financial Solutions

Fotos: Iris Rothe