Ausgabe 2 2014

Praxis Mit Netz und
doppeltem Boden

Verbriefungen erlangten während der Finanzkrise von 2007 bis 2008 einen schlechten Ruf. Dennoch kann die Verbriefung von Forderungen Firmen eine alternative Finanzierungsmethode zu einem attraktiven Preis bieten. Um die Sicherheit derartiger Instrumente zu erhöhen, setzt die BayernLB auf arvato Financial Solutions.

Verbriefungen erlangten während der Finanzkrise von 2007 bis 2008 einen schlechten Ruf. Dennoch kann die Verbriefung von Forderungen Firmen eine alternative Finanzierungsmethode zu einem attraktiven Preis bieten. Um die Sicherheit derartiger Instrumente zu erhöhen, setzt die BayernLB auf arvato Financial Solutions.

Der Ruf sogenannter Asset Backed Securities (ABS) oder forderungsbesicherter Wertpapiere hat im Zuge der weltweiten Finanzkrise stark gelitten, zu viele wertlose Forderungen kamen insbesondere im Rahmen der Subprime-Krise in den USA auf den Markt. Weil sich das Prinzip der Verbriefung jedoch sehr gut dazu eignet, neben klassischen Bankkrediten weitere Finanzierungsoptionen für Unternehmen darzustellen, wollen die Europäische Zentralbank und die Bank of England dafür sorgen, dass solche Papiere in Zukunft einfacher, robuster sowie transparenter werden. Gerade für mittelständische Betriebe versprechen sich die Zentralbanken Chancen auf eine bessere Liquiditätsversorgung per ABS. Diese schont außerdem die Kreditlinien und optimiert Working Capital sowie Bilanz – all das zu attraktiven Finanzierungskosten und ohne Veränderungen am Forderungs- und Debitorenmanagement im Unternehmen. Die geforderte Qualität solcher Verbriefungen lässt sich insbesondere dadurch erreichen, dass der Zahlungsfluss vom Debitor bis hin zum Investor umfassend überwacht, gesteuert und somit abgesichert wird.

Was einfach klingt, bedarf jedoch einer komplexen juristischen und prozessualen Strukturierung. Das gilt vor allem deshalb, weil in der Regel sehr viele unterschiedliche Parteien an einer Verbriefung beteiligt sind. So hat in einem aktuellen Fall die Londoner Niederlassung der Bayerischen Landesbank Forderungen ihres Kunden, einer Unternehmensgruppe mit Sitz in Großbritannien, verbrieft. Dabei wurden Rechnungen gegenüber Debitoren in Europa und Nordamerika von insgesamt zehn Tochterunternehmen der Gruppe aus wiederum fünf Ländern der Europäischen Union und aus den USA gebündelt. Damit sind verschiedene Länder, Sprachen, Zeitzonen und Währungen zu beachten.

Das Forderungsmanagement einer solchen Verbriefung obliegt dem sogenannten Servicer. In diesem Fall ist dies weiterhin die britische Unternehmensgruppe selbst; sie überwacht, dass die Debitoren die Forderungen fristgemäß begleichen. Um sicherzustellen, dass auch bei Ausfall des Servicers diese komplexen operativen Prozesse weitergeführt werden können, hat sich die BayernLB für die Mandatierung eines Back-up Servicers entschieden.

Sicherheitsnetz Back-up Servicing

Das Back-up Servicing wurde bereits im Rahmen der Verbriefungstransaktion der Unternehmensgruppe als Teil des Gesamtprojektes aufgesetzt. Ein Projektteam von arvato Financial Solutions hat zunächst in einem umfangreichen Workshop beim Forderungsverkäufer in Großbritannien die aktuellen Prozesse aufgenommen, um dann die prozessualen und IT-seitigen Anforderungen an die Forderungsmanagement-Dienstleistung zu dokumentieren. Diese Dokumentation wurde Teil des Back-up-Servicing-Vertrags und damit Baustein der umfangreichen Transaktionsverträge – der sogenannten „Transaction Bible“. Entsprechend der Dokumentation erfolgt dann die stufenweise Implementierung der Prozesse im Buchhaltungs-System von arvato Financial Solutions. Auch die Schnittstellen zu relevanten Parteien wie dem Forderungsverkäufer, dem Servicer, dem Forderungskäufer, den kontoführenden Banken und ggfs. verschiedenen Subdienstleistern werden umgesetzt. Von Anfang an ist damit sichergestellt, dass arvato Financial Solutions als Back-up Servicer kurzfristig einspringen kann, wenn es zu Problemen beim ursprünglichen Servicer kommt. Dieser Fall, die sogenannte Aktivierung des Back-up Servicers, erfolgt nach Maßgabe der Transaktionsverträge, in der Regel, wenn definierte Trigger-Level überschritten werden.

Somit steht arvato Financial Solutions nach erfolgtem Set-up zunächst in der Stand-by-Phase bereit für die Aktivierung und testet in dieser Zeit in regelmäßigen Intervallen die Funktion von Prozessen und Schnittstellen. Erst im Fall der Aktivierung übernimmt arvato Financial Solutions die aktuellsten Daten in das proprietäre Buchhaltungssystem, informiert die Debitoren über den Forderungsverkauf sowie die neue Zuständigkeit als Back-up Servicer und leitet das umfangreiche Forderungsmanagement in die Wege. Dazu werden zwei Servicecenter in Deutschland und den USA genutzt, um auch die unterschiedlichen Zeitzonen abdecken zu können.

» Das laufende Forderungsmanagment ist ein kritischer Punkt für Investoren in Verbriefungstransaktionen. Die langjährige internationale Erfahrung von Arvato im Servicing und Back-up Servicing von Forderungen ist für uns ein wichtiger Bestandteil, um die operationellen Risiken in der Verbriefungstransaktion mit pan-europäischen und US Debitoren deutlich zu reduzieren. «
Guido Goldman Director, BayernLB

Länderübergreifender Service

Im Fall einer Aktivierung unterstützen arvato-Kollegen aus den beteiligten Ländern das Forderungsmanagement. Diese betreuen die Debitoren bei Rückfragen, verarbeiten die Zahlungseingänge anhand elektronischer Kontoinformationen und übernehmen das Mahnwesen für überfällige Zahlungen. Zudem ist es möglich, länderspezifische Inkassoprozesse bis hin zur gerichtlichen Durchsetzung der Forderungen durchzuführen. arvato Financial Solutions erstellt in diesem Rahmen für die BayernLB umfangreiche Reportings zu eingegangenen Geldern, überfälligen Beträgen und Inkassomaßnahmen.

Für die BayernLB ging es bei der Vergabe der Back-up-Dienstleistung auch darum, alle erforderlichen Tätigkeiten im Set-up, Stand-by und der Aktivierungsphase aus einer Hand beziehen zu können, und abgesehen von Postzustellern, kaum weitere Dritte involviert zu wissen. So existiert nun ein Ansprechpartner als Back-up Servicer für alle Jurisdiktionen, der selbst in den jeweiligen Ländern über umfangreiche Erfahrungen im Forderungsmanagement verfügt. Auswahlkriterium ist immer auch die Bonität des potenziellen Back-up Servicers, wobei arvato natürlich von dem stabilen Eigentümerhintergrund im Bertelsmann-Konzern profitiert.

Dieses Projekt verdeutlicht auf der einen Seite die hohen Anforderungen an die Strukturierungstätigkeiten der BayernLB als arrangierender Bank und zeigt auf der anderen Seite auf, dass durch einen Partner wie arvato Financial Solutions bestimmte operationelle Risiken deutlich gemindert werden können. Damit lässt sich die Attraktivität von Verbriefungen für Investoren erhöhen, was auch einer breiteren Anzahl von Unternehmen diesen alternativen Refinanzierungsweg eröffnet.

Foto: Toronto Star/gettyimages