Ausgabe 01 2016

Prolog Notlösung? Zweitbeste Lösung!

Ein Vorwort von Michael Weinreich, CEO arvato Financial Solutions, über das Thema Plan B.

Ein Vorwort von Michael Weinreich, CEO arvato Financial Solutions, über das Thema Plan B.

Ein Plan B genießt wahrlich nicht den besten Ruf. Wenn Plan A nicht funktioniert, muss eine Ausweichvariante gefunden werden. Das Ganze klingt nach Scheitern. Was eigentlich schade ist, denn muss es wirklich immer so viel schlechter sein, wenn man einmal vom Weg abkommt und eine andere Route wählt? Ist der Plan B statt der Notvariante nicht vielleicht die zweitbeste Variante? Und bietet er schlussendlich nicht sogar die Chance, das Ziel doch zu erreichen – nur eben auf alternative Weise?

Chesley Sullenberger ist davon überzeugt. Er und 155 Insassen von Flug 1549 der US Airways sind bis heute froh, dass sie überhaupt einen Plan B hatten. Kapitän Sullenberger sollte das Flugzeug am 15. Januar 2009 von New York City nach Seattle fliegen, doch der Steigflug endete wegen eines doppelten Vogelschlags nach sechs Minuten abrupt. Mitten in New York City war sein Flugzeug nahezu fluguntüchtig geworden, aufgrund der geringen Flughöhe konnte Sullenberger keinen der umliegenden Airports erreichen. Er musste sich innerhalb von sechs Minuten einen Alternativplan überlegen. Sullenberger entschloss sich zur Notwasserung auf dem Hudson River – weniger als 1,6 Kilometer vom Times Square entfernt. Die gelungene Notwasserung war eine Meisterleistung des Kapitäns. Sein Plan B verhinderte eine Katas­trophe und rettete viele Leben.

Sullenbergers Gedankenschnelligkeit dient durchaus als Vorbild für Unternehmen. Es können Dinge schiefgehen, aber es kommt darauf an, wie man reagiert. Alternativen in petto zu haben, bedeutet auch, wandlungsfähig zu sein und in Drucksituationen souverän agieren zu können. Was im Endeffekt heißt: Mit einem guten Plan B kann man manchmal sogar mehr erreichen als mit einem soliden Plan A.

Foto: Iris Rothe