Ausgabe 01 2017

Tempo Record Breakers

Wir werfen einen Blick auf Geschwindigkeitsrekorde rund um den Globus – die schnellen und die langsamen.

Wir werfen einen Blick auf Geschwindigkeitsrekorde rund um den Globus – die schnellen und die langsamen.

Slow Dance
John Cages Orgelwerk „ORGAN2/ASLSP“
stellt gerade den Rekord als das am längsten andauernde und langsamste Konzert der Welt auf. Eine Gruppe von Musikern und Philosophen hat sich entschlossen, die Angabe ASLSP – „as slow as possible“ – möglichst wörtlich zu nehmen, und angefangen, das Stück in einer Gesamtlänge von 639 Jahren aufzuführen. Zu erleben ist das Orgelkunstprojekt in dem Städtchen Halberstadt, das für seine alten Orgeln bekannt ist. Der Elektronikmusiker Moby hat mit „Thousand“ den entgegengesetzten Rekord aufgestellt: Der Song ist mit 1000 Beats per Minute die schnellste Single aller Zeiten.

Die Reifeprüfung
Der älteste Universitätsabsolvent der Welt ist Shigemi Hirata. Er erhielt im März 2016 im Alter von 96 Jahren einen Bachelorabschluss von der Kyoto University of Art and Design in Japan. Elf Jahre brauchte er für den Ceramic Arts Course, für den er sich 2005 eingeschrieben hatte. Am anderen Ende der Skala steht das Wunderkind Michael Kearney, das 1994 in nur einem Jahr einen Bachelor in Anthropologie machte – im Alter von zehn Jahren.

Wettlauf ins All
Den Geschwindigkeitsrekord für Raumsonden stellte Helios II 1976 mit 252.792 Stundenkilometern relativ zur Sonne auf. Aufgrund der Gravitation erreichen Raumsonden ihre Höchstgeschwindigkeiten in der Regel direkt nach dem Start, bei Eintritt oder bei der größten Annäherung an einen massiven Körper. Die Raumsonde New Horizons erreichte beim Verlassen der Erde im Januar 2006 mit 58.536 Stundenkilometern die höchste Geschwindigkeit relativ zur Erde. Am gemächlichsten ist Dawn, eine 2007 von der NASA in den Weltraum geschickte Sonde, die bei einer Geschwindigkeit von nur 41.256 Stundenkilometern den Protoplaneten Vesta und den Zwergplaneten Ceres untersucht.

Marathon für Entspannte
Die längste Zeit für einen Marathonlauf (42,195 Kilometer) hat der Japaner Shis Kanaguri aufgestellt. Er trat 1912 bei den Olympischen Spielen in Stockholm an, brach das Rennen in der für Stockholm untypischen Hitze aber ab und flog letztlich zurück nach Japan, ohne sich abzumelden! Sein Status blieb daher „DNF“ („Did not finish“) und „vermisst“, bis er 1967 zum 55-jährigen Jubiläum der Olympischen Spiele von Stockholm eingeladen wurde und das Rennen beendete. Seine Zeit: 54 Jahre, acht Monate, sechs Tage, 32 Minuten und 20 Sekunden. In dieser Zeit könnte der kenianische Weltrekordhalter Dennis Kimetto fast 240.000 Marathonläufe absolvieren – vorausgesetzt, er könnte sein Tempo so lange aufrechterhalten. Er schaffte die Strecke in 2:02:57 Stunden.

Blitzleser
Die meisten Buchliebhaber schaffen zwischen 200 und 300 Wörtern pro Minute. Der Schnellleser Howard Berg rast mit sage und schreibe 25.000 Wörtern pro Minute durch einen Text. Bei diesem Tempo würde er auch die 1,3 Millionen Wörter des längsten Romans aller Zeiten, Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, schaffen, ohne Zeit zu verlieren.

Foto: GettyImages/UpperCut Images (M)