Ausgabe 2 2015

Remix Remix in der Start-up-Szene
Ein Interview mit
Ralf Belusa

Dr. Ralf Belusa war 16, als er sein eigenes Unternehmen gründete. pay sprach mit ihm über die Rolle, die Remix in der Start-up-Szene spielt.

Dr. Ralf Belusa war 16, als er sein eigenes Unternehmen gründete. pay sprach mit ihm über die Rolle, die Remix in der Start-up-Szene spielt.

Welche Rolle spielt der Remix in der Start-up-Szene?

Die Bezeichnung „Remix“ ist nicht besonders weitverbreitet, wohingegen das „Copycat“-Phänomen sehr bekannt ist. Der grundlegende Unterschied besteht darin, dass der Remix ein Entwicklungsprozess ist, der eine Idee aufgreift und zu etwas Neuem weiterverarbeitet, während eine „Copycat“, das heißt ein Trittbrettfahrer, tatsächlich nur jemand ist, der ein gut funktionierendes Konzept, so wie es ist, nachmacht. Echte Eins-zu-eins-Kopien sind hingegen selten, denn die Nachahmer wenden sich meistens an ein anderes Marktsegment oder verbessern ein Produkt oder eine Leistung. Die Grenzen sind fließend.

Bezeichnungen wie Copycat, Trittbrettfahrer oder Nachahmer sind negativ konnotiert. Haben sie ihren schlechten Ruf verdient?

Ich habe eine positive Meinung von erfolgreichen Trittbrettfahrern. Jeder kann eine Idee aufgreifen, aber nur sehr wenige können sie auch gut umsetzen. Das erfordert viel Erfahrung, Arbeit, gutes Timing und ein wenig Glück. Die zweite Version von etwas kann sogar die bessere sein. Manche probieren jahrelang vergeblich an etwas herum. Und dann kommt jemand anderes und führt die Idee zum Erfolg. Das ist eine Fähigkeit, die Respekt verdient.

Das heißt, die Umsetzung einer Idee ist wichtiger als die Idee an sich?

Absolut. Manche Unternehmen haben hervorragende Ideen, aber wenn 98 Prozent der Endkunden das Produkt nicht nutzen, ist das Ganze finanziell nicht tragfähig. Vor allem Investoren interessiert nicht, wer zuerst da ist, sondern wer am schnellsten den größten Gewinn erzielen kann.

Wie kann sich ein Start-up vor Trittbrettfahrern schützen?

Patente sind eine Möglichkeit, aber bis man ein Patent erhält, können sechs bis acht Monate ins Land gehen, und in dieser Zeit kann jemand die gleiche Ideen haben und umsetzen. Dann braucht man das Patent im Grunde nicht mehr. Patente könnten zwar potenzielle Investoren beeindrucken, aber sonst interessiert sich eigentlich niemand dafür. Den Kunden ist es in der Regel egal, ob etwas eine Kopie ist; sie wollen einfach den besten, einfachsten und schnellsten Service. Ich würde all meine Energie darauf verwenden, das Produkt so schnell wie möglich auf den Markt zu bringen und zu testen, ob es wirklich funktioniert.

Können Sie sonst noch Tipps geben?

Erstens: keine Panik. Es gibt so viele Hürden zu überwinden, bis ein Start-up Erfolg hat. Diese Hürden müssen Trittbrettfahrer auch alle überwinden, und Sie haben einen Vorsprung. Zweitens: Machen Sie sich Gedanken über Marketing und Branding. Storytelling ist eine gute Möglichkeit, Kunden dazu zu bringen, sich mit Produkten zu identifizieren und Ihrer Marke treu zu bleiben. Und drittens: Stellen Sie den Kunden in den Mittelpunkt. Diese müssen Ihr Produkt verstehen. Je einfacher, desto besser. Das sehen Sie an der Taxi-App Uber oder dem Unterkunftsvermittler Airbnb. Diese Ideen sind schön einfach. Das Produkt lässt sich ganz leicht anwenden. Eine originelle Idee ist nicht viel wert, wenn sie die Kunden nicht erreicht.

Fotos: unsplash.com, Thomas Brault / Dr. Ralf Belusa