Ausgabe 2 2014

Drei außergewöhnliche Firmengeschichten

Die Zeitungsretter von Nizza

Wie alle Printmedien hat Nice-Matin zu kämpfen. Die defizitäre Tageszeitung steht zum Verkauf, aber jedes Angebot sieht die Streichung von 400 bis 800 Stellen vor. Für die Mitarbeiter ist das keine Option, und sie haben daher ihren eigenen Rettungsplan entwickelt – einen mit weniger Streichungen. Im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne wollen sie 300.000 Euro einsammeln, um Nice-Matin neues Leben einzuhauchen. Sie planen, die Zeitung in eine Genossenschaft umzuwandeln und damit der Bevölkerung von Nizza „ihre eigene“ Zeitung zu geben. Die Bewohner der Stadt an der Côte d’Azur scheinen die Idee zu unterstützen. Die Crowdfunding-Kampagne konnte 2733 Investoren mobilisieren und spielte 376.275 Euro ein.R 376,275.

Blitzschnelle Hilfe

Xaver Kirchhoff (XK) bewahrt seine Kunden vor Blitzschlägen. Doch Anfang der 90er-Jahre waren es die Kunden, die das Berliner Unternehmen bewahrten, und zwar vor dem Aus. Damals stand XK kurz vor der Pleite. Langjährige Kunden schossen Kapital zu, und selbst der Steuerberater kaufte Geschäftsanteile an dem Familienunternehmen.
Das 150 Jahre alte Unternehmen ist auf Blitzschutz und Fahnenmasten spezialisiert. Auch die Blitzableiter auf dem Dach des Reichstagsgebäudes sind von Xaver Kirchhoff. In jüngerer Vergangenheit ist das Unternehmen zusätzlich in die Bereiche Elektroanlagen und Gebäudetechnik eingestiegen. Und die Aussichten sind gut. Vor Kurzem hat das Unternehmen eine intelligente Methode entwickelt, Stadien nicht mit herkömmlichen Blitzableitern zu schützen, sondern mit glasfaserverstärktem Kunststoff. Diese neue Blitzschutzummantelung von Bau- und Gebäudeteilen ließ sich Xaver Kirchhoff 2010 patentieren.

Treue Mitarbeiter

Arthur T. Demoulas hat die treuesten Mitarbeiter, die sich ein Manager nur wünschen kann. Als der Chef der amerikanischen Supermarktkette Market Basket von seinem Cousin Arthur S. Demoulas im Juni 2014 vor die Tür gesetzt wurde, gingen die Mitarbeiter auf die Barrikaden. Sie befürchteten, das neue Management würde Gehälter und Leistungen kürzen, und forderten ihren Artie T. zurück. Von den Büroangestellten bis zu den Fahrern der Lieferwagen legten Tausende Mitarbeiter die Arbeit nieder. Regale blieben leer, Kunden boykottierten die Märkte. So geriet die neue Führung stark unter Druck. Nach sechs Protestwochen erhielt Artie T. den Chefposten zurück. Unter seiner Führung, so hoffen die Mitarbeiter, wird Market Basket weiterhin das Wohl der Beschäftigten über das der Aktionäre stellen.

Weitere Informationen:
www.facebook.com/savemarketbasket

Fotos: von oben: Valéry Hache; Eden_Images/iStock; Steven Senne/AP