Ausgabe 3 2015

Grenzen Gedicht

"Ruhe im Garten!" – Ein Gedicht über Nachbarschaftszwist

Die übliche Gartenvielfalt – ein Gärtnergedicht

Die alte Mutter Gaia,
Die steht in ihrem Garten.
Rechts hat sie eine Harke,
Links ’nen großen Spaten.

Sie bewundert ihre Blumen,
Die zarten Kostbarkeiten.
Da sieht sie auf dem Boden
Zwei Menschen, die sich streiten.

Gaia muss sich bücken,
Um sie zu verstehn:
Es scheint, als möchte jeder
Nur sich im Beete sehn.

Die Alte ist verwundert:
Wie kann denn das nur sein?
Im Beet ist Platz für beide,
Sind Menschen doch so klein!

Trotzdem greift sie zur Kanne
Und macht sie komplett leer.
Das Beet das wird zur Wanne,
Für Winzlinge ein Meer.

Es bilden sich zwei Inseln,
Für jeden Menschen eine.
Sie klettern drauf und piepsen:
„Die hier ist jetzt meine!“

Nun zieht das große Wasser
Die Grenze strikt und klar.
Und Ruhe herrscht, wo vorher
Nur lautes Streiten war.

Auch Gaia seufzt zufrieden.
Da fällt die Kanne runter.
Sie macht ’ne Riesenwelle
Die Inseln gehen unter.

Und die Moral von der Geschicht’?
In Frieden leben ist echt schwer,
Doch ist gemeinsam schöner,
Als wenn die Welt voll Grenzen wär’.

Text: Karsten Fiehe / Emily Reise

Kalligrafie: Anna Eisenhauer