Ausgabe 01 2016

Plan B Sergeant Prepper

Bastian Blum, Gründer der Prepper Gemeinschaft Deutschland, erklärt pay, warum er besser schläft, seitdem er Katastrophenvorsorge betreibt.

Das Beste hoffen, aber mit dem Schlimmsten rechnen – diese Einstellung haben viele Menschen. Die wenigsten setzen sie jedoch so konsequent um wie die sogenannten Prepper. Sie bereiten sich aktiv auf den Katastrophenfall vor. Bastian Blum, Gründer der Prepper Gemeinschaft Deutschland, erklärt pay, warum er besser schläft, seitdem er einen gut durchdachten Plan B hat.

Was ist ein Prepper?
Ein Prepper ist jemand, der sich auf mögliche Krisen oder Katastrophen vorbereitet, um im Eintritt eines solchen Szenarios für sich und seine Angehörigen sorgen zu können. Es ist eine Art Selbstversicherung. Prepper unterscheiden sich von Doomern oder Apokalyptikern, die in den USA häufiger zu finden sind. Diese glauben an Verschwörungstheorien und bereiten sich auf das Ende der Welt vor. Die meisten Mitglieder der Prepper Gemeinschaft Deutschland konzentrieren sich primär auf die wahrscheinlichsten Szenarien in der Nähe ihres Wohnorts. Das können Überschwemmungen, Erdbeben, Stromausfälle oder – in meinem Fall hier in Krefeld – Chemieunfälle sein.

Wie reagieren die Leute, wenn Sie ihnen erzählen, dass Sie ein Prepper sind?
Es gibt viele Klischees um das Prepping, einige basieren auf Medienberichten über Doomer und Apokalyptiker. Deshalb halten mich viele für einen Spinner. Bis ich ihnen erzähle, warum ich mich vorbereite.

Warum bereiten Sie sich denn vor?
Ich will mir in einer Krise selbst helfen und mich um meine Familie kümmern können. Behörden wie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfehlen den Bürgern, eine Notfallversorgung für zwei bis drei Wochen zu Hause zu haben. Dazu gehören neben Lebensmitteln auch Kerzen und wetterfeste Kleidung. Prepper gehen einen Schritt weiter und denken an ihre Infrastruktur im Krisenfall, zum Beispiel Schutzräume oder Ausrüstung zur Wasseraufbereitung. Viele erwerben auch besondere Fähigkeiten: erweiterte Erste Hilfe, Überleben außerhalb der Zivilisation, Herstellen einer Notstromversorgung oder Funken. Staatliche und regionale Organisationen haben zwar Krisenpläne, aber es kann Stunden oder sogar Tage dauern, bis diese Pläne greifen. Es geht darum, diese Zeit zu überbrücken.

Wie viel Zeit und Aufwand erfordert es, sich wie ein Prepper vorzubereiten?
Das fängt beim Beschaffen der Grundausrüstung wie etwa Taschenlampe, Wasser oder Lebensmittel an. Für einen sechswöchigen Vorrat muss man pro Person mit 250 bis 300 Euro rechnen. Dazu kommen Kurse in Selbstverteidigung und Strategieentwicklung für unterschiedliche Szenarien, deren Kosten sich schwer beziffern lassen.

Das klingt nach viel Geld für etwas, von dem Sie nicht sicher sein können, dass es je eintritt?
Echte Prepper wollen nicht, dass es zu einer Katastrophe kommt, denn ganz egal, wie so etwas abläuft, es wird ihre Lebensqualität immer in gewissem Maße einschränken. Es geht vielmehr um das sichere Gefühl, zu wissen, welche Optionen sie haben, und reagieren zu können. Egal, was kommt.

Schafft das nicht ein ständiges Angstgefühl?
Keineswegs. Es hat mein Leben sogar sicherer gemacht und bedeutet, dass ich in jeder Situation ruhig bleiben kann, denn ich weiß, welche staatlichen Maßnahmen vorhanden sind, und für das, was ich selbst tun muss, habe ich einen Plan. Diese Art der Vorbereitung beugt Panik vor und versetzt mich in die Lage, beurteilen zu können, was für mich eine Gefahr darstellt und was nicht. Wissen Sie, was Sie tun müssten, wenn Ihr Haus überschwemmt oder unbewohnbar würde oder wenn Sie stunden- oder tagelang keinen Strom hätten?

Nicht wirklich, nein. Bin ich deshalb dumm?
Ich würde niemanden als dumm bezeichnen, denn in der Regel gibt es staatliche Krisenmaßnahmen, und in der heutigen Zeit fühlen sich die meisten Menschen gut aufgehoben und sicher. Es ist auch kein Thema, das sich für den politischen Diskurs eignet. Stellen Sie sich nur einmal vor, Angela Merkel würde sagen: „Wir wollen, dass alle Bürger dafür Sorge tragen, dass sie jederzeit Lebensmittel für zwei Wochen im Schrank haben.“ Auf vorbeugende Maßnahmen müssen die Menschen selbst kommen. Aber eins ist klar: Wenn etwas passiert, werden die Unvorbereiteten eher in Panik ausbrechen als ich.

Was würden Sie tun, wenn im Katastrophenfall plötzlich eine in Panik geratene Horde Menschen an Ihre Tür klopft?
Das ist unwahrscheinlich. Angenommen, es kommt zu einem längeren Stromausfall und man hat alle Lebensmittel aufgebraucht, die man im Haus hatte. Kühlschrank und Mikrowelle funktionieren nicht mehr. Dann würde man als Erstes in das nächste Restaurant oder in den Supermarkt einbrechen. Bis einem der Prepper nebenan einfällt, ist er längst weg, denn er ist allen anderen mindestens zehn Schritte voraus.

Prepping hat mit Überleben zu tun. Bereiten Sie sich auch auf den Kampf gegen die Langeweile vor?
Es ist sogar ganz entscheidend, sich auf Langeweile und Monotonie einzustellen. Niemand von uns ist mental auf einen permanenten Krisenmodus vorbereitet. Gesellschaften brauchen die kulturelle Vielfalt, um zu überleben, und aus psychologischer Sicht müssen die Menschen zwischendurch an etwas anderes, Positiveres denken können als an das Beschaffen von Lebensmitteln und eine sichere Bleibe. Hier helfen Unterhaltung, unterschiedliche Perspektiven innerhalb einer Gruppe und Aktivitäten wie singen. Wenn wir davon sprechen, was in eine Get Home Bag gehört, raten wir immer dazu, auch etwas Persönliches mitzunehmen. Falls eine Katas­trophe dramatische Ausmaße annimmt und man irgendwo strandet, erinnern einen persönliche Gegenstände daran, dass es ein besseres Leben gibt, dass es noch sichere Orte für einen gibt und dass die Krise irgendwann vorüber ist.

Was ist eine Get Home Bag?
Eine Get Home Bag ist in der Regel ein Rucksack mit den Dingen, die man braucht, um nach Hause zu gelangen oder um zu überleben, wenn man irgendwo gestrandet ist, zum Beispiel im Auto in einem Schneesturm. Es ist eine kurzfristige Überlebensausrüstung, die vermutlich jeder Prepper besitzt. Darin enthalten sind Wasser, Lebensmittel, eine Taschenlampe, Decken, um sich warm zu halten – solche Dinge.

Wie lange sind Sie schon Prepper?
Meine gesamte berufliche Laufbahn dreht sich um Notfallplanung und Vorsorge. Ich bin ausgebildeter Rettungssanitäter und habe eine Reihe von Krisenreaktionsteams geleitet. Heute arbeite ich für Feuerwehr und Rettungsdienst, das heißt, in gewissem Sinne war ich mir schon immer bewusst, wie wichtig Vorsorge ist. Doch mein Interesse am Prepping entstand erst so richtig im Jahr 2008. Ein Freund hat mich darauf gebracht. Ich fand das Thema spannend und startete im August 2013 die Website der Prepper Gemeinschaft Deutschland und eine Facebook-Seite. Ich wollte eine Plattform schaffen, auf der Prepper Tipps, Tricks und Ideen austauschen können.

Auf der Website der Prepper Gemeinschaft ist zu lesen: „kein Ort für Rechtsradikale und Linksradikale“. Warum hatten Sie das Gefühl, dass Sie diesen Hinweis aufnehmen müssen?
Beim Prepping geht es um überleben und Sicherheit. Dabei können Extremisten eine Rolle spielen. Manche Menschen wollen, dass Gesellschaften oder Volkswirtschaften scheitern und andere leiden, damit ihre eigene Bedeutung wächst. Darum geht es bei uns nicht, und damit wollen wir auch nicht in Verbindung gebracht werden. Wir wollen nicht, dass die Gesellschaft scheitert, und wir wollen die Menschen auch nicht in Schubladen stecken. Wir wollen ein offenes Umfeld schaffen, in dem alle Facetten der Krisenvorsorge neutral und auf der Grundlage von sachlichen Informationen besprochen werden können.

Was sollte ich mir als Anfänger auf diesem Gebiet zuerst besorgen?
Ein batterie- oder kurbelbetriebenes Notfallfunkgerät. Daran denkt niemand als Erstes, aber das ist tatsächlich der wichtigste Bestandteil einer Ausrüstung. Wenn etwas passiert, werden Informationen über Hilfsangebote sowie über Schwere und Ausmaß der Krise per Funk übertragen. Diese Informationen brauchen Sie, um Ihre nächsten Schritte planen zu können, und wenn alles ausgefallen ist, sind vermutlich auch die herkömmlichen Kommunikationsnetzwerke tot. Es darf aber kein Funkgerät sein, das Strom braucht, sonst ist es bei einem Stromausfall wertlos!

Wie realistisch ist es, dass ich ein Notfallfunkgerät benutzen muss?
Sie wissen nie, was passiert. Und genau das ist die Krux.

Fotos: Nikita Teryoshin