Ausgabe 1 2015

Reputation Wer hat Angst vor …?

Auch Tiere haben Probleme mit dem Image – vor allem, wenn sie als hässlich, gefährlich oder angsteinflößend gelten. Dabei können viele sehr nützlich sein. pay stellt einige Kandidaten vor, die ihren schlechten Ruf wirklich nicht verdient haben.

Auch Tiere haben Probleme mit dem Image – vor allem, wenn sie als hässlich, gefährlich oder angsteinflößend gelten. Dabei können viele sehr nützlich sein. pay stellt einige Kandidaten vor, die ihren schlechten Ruf wirklich nicht verdient haben.

... acht Beinen

Spinnen [Ordnung: Araneae oder Webspinnen] können Arachnophobie auslösen. Das ist nach Informationen von Anxiety UK, einer gemeinnützigen Organisation zur Unterstützung von Menschen mit Angststörungen, eine der zehn häufigsten Phobien. Diese extreme Angst vor Spinnen teilen nicht alle, aber viele Menschen finden die vieläugigen kleinen Biester zumindest unschön. Dabei spielen Spinnen eine wichtige Rolle für das Ökosystem. Sie fressen Insekten und kontrollieren deren Population. Außerdem stellen sie selbst eine Nahrungsquelle für Tiere wie Vögel oder Echsen dar.

... so kleinen Krabblern

Kakerlaken [Ordnung: Blattodea oder Schaben] gelten als ungebetene, unhygie­nische Hausgäste, die es schon im alten Ägypten gab. Damals wurden sie mit Flüchen belegt, um sie fernzuhalten. Auch in unseren modernen Behausungen kann diese gruseligen Krabbler niemand gebrauchen, aber in den Wäldern würden sie fehlen. Schaben ernähren sich von verwesendem organischem Material, in dem Stickstoff eingelagert ist, etwa in toten Blättern und Bäumen. Sie nehmen diesen Stickstoff auf, scheiden ihn über ihren Kot wieder aus und führen ihn auf diese Weise dem Boden und den darin wurzelnden Pflanzen zu. So sind Schaben eine wichtige Stufe im Stickstoffkreislauf.

... nagenden Spürnasen

Ratten [Ordnung: Rodentia oder Nagetiere] sind doch widerlich. Oder etwa nicht? Auch diese krankheitsübertragenden Kana­lisationsbewohner können nützlich sein. Das Pariser Kanalisationsmuseum, das „Musée des Egouts de Paris“, freut sich darüber, dass die Nager verstopfte Rohre frei machen und bei Gaslecks oder Überschwemmungen den Arbeitern als Frühwarnsystem dienen. Gambia-Riesenhamsterratten können sogar echte Lebensretter sein. Sie lassen sich nämlich darauf trainieren, Landminen aufzuspüren.

... Giftzähnen

Schlangen [Ordnung: Squamata oder Schuppenkriechtiere] lehren viele Menschen das Fürchten. Angesichts von Horrorfilmen wie „Anaconda“ aus dem Jahr 1997 ist das auch kein Wunder. Und mit einigen Schlangen ist ja auch nicht zu spaßen. Sie vergiften ihre Beute, erwürgen sie oder verschlingen sie gleich bei lebendigem Leib. Die besonders angsteinflößenden Giftschlangen stellen aber nur 25 Prozent der nahezu 3.500 Arten. Ihr hoch entwickeltes Gift greift bestimmte Moleküle an und lässt sich daher auch in der Medizin einsetzen. Forscher untersuchen unter anderem, wie sich Schlangengift gegen Herzkrankheiten, Schlaganfall, Krebs und Alzheimer einsetzen lässt.

... Leichenfledderern

Geier [Ordnung: Accipitriformes oder Greifvögel] fressen tote oder sterbende Tiere. Da ist es auf den ersten Blick kein Wunder, dass der Begriff in der westlichen Welt negativ konnotiert ist. Im Oxford-English-Wörterbuch lautet der zweite Eintrag zu diesem Wort: „eine verachtenswerte Person, die andere ausbeutet oder ausnutzt“. Dabei erfüllen die Vögel eine wichtige Funktion in der Natur: Sie räumen verwesende Kadaver weg und beseitigen damit Gesundheitsrisiken.

Foto: Florilegius/akg-images