Ausgabe 02 2016

Fluchen funktioniert in jedem Land etwas anders. Meist haben Kraftausdrücke aber mit Sex, Genitalien und Exkrementen zu tun – manchmal auch mit Müttern. Einige der gängigsten englischen Schimpfwörter sind inzwischen international bekannt, aber wir haben ein paar Fakten übers Fluchen zusammengetragen, die Sie vielleicht überraschen.

Sch… Einfluss

Nach der Schlacht bei Hastings spiegelte sich die Kluft zwischen Unter- und Oberschicht in England auch in der Sprache. Während die Adligen einen alten französischen Dialekt, der vom Lateinischen herrührte, sprachen, bedienten sich die Bauern einer westgermanischen Sprache. Die vulgären Ausdrücke blieben haften, und die meisten heute verwendeten Kraftausdrücke sind germanischen Ursprungs. Sh1t und F*ck sind klassische Beispiele für den germanischen Einfluss.

Die tierlieben Schweden

In der vorindustriellen Zeit, als Schweden vor allem von Bauern besiedelt wurde, bezogen sich die schlimmsten Beleidigungen auf Tiere. Deshalb haben noch heute viele der traditionelleren Kraftausdrücke einen Tierbezug, zum Beispiel „Snuskhummer“ (dreckiger Hummer) „Kossa“ (Kuh) oder „Åsna“ (Esel). Außerdem haben die Schweden einen Faible für teufelsbezogene Beleidigungen, und der englische Einfluss hat inzwischen auch einen Trend zu Genitalbeleidigungen etabliert, die schmerzen wie ein Tritt in den Schritt.

Die fäkalienbesessenen Deutschen

Deutsche Jugendliche sagen schon auch mal „Deine Mudda“, aber grundsätzlich tendieren die Deutschen bei Beleidigungen nicht zu sexuellen Bezügen. Unsere Verbalangriffe bedienen sich gern des Toilettenmilieus. Die passendste Übersetzung für „F*ck off!“ ist „Verpiss dich!“, und wenn man noch einen draufsetzen soll, kommt „Du Arschloch“ hintendran. Das soll nicht heißen, dass solche Wörter in anderen Sprachen nicht vorkommen. Das tun sie durchaus, aber mit Genitalien, Sex und Prostitution können sie im Fluchranking meist nicht mithalten. Eine Theorie dafür lautet, dass wir Deutschen die Dinge gern beim Namen nennen und negative Dinge auch entsprechend negativ bezeichnen. Schließlich stinkt Erotik (normalerweise) nicht so sehr wie Scheiße.

Kranke Niederländer

Im Niederländischen beziehen sich die schlimmsten Beleidigungen auf die Gesundheit, nicht auf die Moral. Zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert war die Seefahrt für die Wirtschaft von entscheidender Bedeutung. Das Schlimmste, was einem passieren konnte, war krank zu werden. Der Hang zu gesundheitsbezogenen Beleidigungen ist heute noch zu spüren: „krijg de kolere“ (hol dir doch die Cholera), „vuile kankerliejer“ (dreckiger Krebskranker) und „val dood vuile kankerhoer“ (stirb doch, du dreckige Krebshure) sind vernichtende Beleidigungen.

Synchron, nur milder

Die spanischen Synchronfassungen von englischsprachigen Filmen sind häufig abgemilderte Versionen des Originals, damit sie nicht gegen die Sitten in der spanischsprachigen Welt verstoßen. So werden zum Beispiel Kraftausdrücke gern weniger derbe wiedergegeben. Die spanische Fassung von South Park ist ein gutes Beispiel dafür. „You’re all really f*ucked now!“ wird zu „Ahora sí que la habéis cagado“ (jetzt, wo ihr Mist gebaut habt).