Ausgabe 4 2015

Chefsache Zeit für neue Helden

Mutige Chefs, die das Überleben ihrer Organisation auf unterschiedliche Art und Weise sichern

pay stellt ein paar mutige Chefs vor, die das Überleben ihrer Organisation sichern.

Auf Tradition setzen

Peter McGowan aus Bolton in Nordengland stand 2014 vor einer lebensverändernden Entscheidung: Er konnte entweder 100.000 Britische Pfund annehmen und seinen Laden einem städtischen Bauprojekt überlassen oder den kleinen Fish-and-Chips-Shop retten, den sein Schwiegervater 45 Jahre zuvor aufgebaut hatte. Er kam zu dem Schluss, dass ihm Tradition und seine Mitarbeiter wichtiger waren, als ein schickes neues Marktgebäude in der städtischen Landschaft zu haben, und blieb standhaft – mit dem Ergebnis, dass die Stadt den Umbau des Marktgebäudes um McGowans Laden herum planen musste. So ist der neue Bolton Market ein bisschen wie ein Baum, der um ein Hindernis herumwächst, das ihm im Weg steht.

Retterin der Kunst

Nach einem internationalen Aufruf, in dem der italienische Kulturminister Dario Franceschini nach Hilfe für die Generalüberholung von 20 führenden italienischen Kunstmuseen rief, stellte er 20 neue Direktoren ein. Sieben davon sind Ausländer, die den Einheimischen in ihrer Leidenschaft für italienische Kunstgeschichte aber in nichts nachstehen. Franceschini verspricht sich von den neuen Chefs, dass sie nicht nur inhaltlich neue Standards setzen, sondern auch das weltweite Renommee der Museen weiter heben und natürlich möglichst viele Besucher anlocken. Einen der 20 Chefposten hat Cecilie Hollberg ergattert, die ehemalige Leiterin des Städtischen Museums Braunschweig. Sie steht jetzt an der Spitze der Galleria dell’Accademia in Florenz und soll sich dem Vernehmen nach insbesondere auf die kommerzielle Nutzung von Museen konzentrieren.

Mit Gefühl und neuem Lebensstil

Als Richard Teerlink 1981 als Finanzchef in die Welt von Harley Davidson eintauchte, fand er vor allem eines vor: Verzweiflung. Das Unternehmen machte 15 Millionen US-Dollar Verlust und litt unter dem hohen Druck der Konkurrenz. Es brauchte eine neue Richtung, und die bekam es, als Teerlink 1989 zum CEO befördert wurde. Der neue Chef konzentrierte sich viel stärker auf Qualität und auf das Image der Marke: Sein Verkaufsansatz setzte auf Emotionen und einen männlichen Lebensstil mit Abenteuern und röhrenden Motoren.

Die von Teerlink entwickelte Markenidentität ist heute noch standhaft, aber was wird mit der Markenidentität in Zeiten der Elektromobilität (und der leisen Motoren) passieren? Es bleibt spannend für Harley!

Plastikfiguren erobern die Spielzeugwelt

Nachdem Horst Brandstätter 1952 von seinen zwei Onkeln das Familienunternehmen „geobra Brandstätter“ übernommen hatte, überlegte er, wie sich der Gewinn steigern ließ. Er beschloss, den Hauptwerkstoff Blech durch Kunststoff zu ersetzen. Der Hula-Hoop-Reifen war der erste durchschlagende Erfolg, und nur ein Jahr später brachte Brandstätter mit dem Entwickler Hans Beck die ersten Playmobil-Figuren auf den Markt, die zu einem weltweiten Kassenschlager wurden. Heute ist Playmobil Deutschlands größter Spielwarenhersteller, der 2014 weltweit 595 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftete. Trotz dieses Erfolgs steht der 2015 gestorbene Brandstätter nicht im Ruf, ein besonders liebevoller Manager gewesen zu sein; er dürfte eher als autoritärer Patriarch in die Geschichte eingehen.

Foto Brand New Images/Getty